Grundschüler lernen zusammen in einem Schulflur.

Schulleistungsstudien

Eine regelmäßige, wissenschaftlich unabhängige Berichterstattung stellt sicher, dass Stärken und Schwächen bisheriger Entwicklungen des Bildungssystems analysiert, Entwicklungen im zeitlichen Verlauf beschrieben und Ansatzpunkte für geeignete Reformmaßnahmen identifiziert werden können.
 
Deutschland nimmt deshalb an nationalen und internationalen Bildungsvergleichsstudien teil. Bund und Länder wirken hier im Rahmen der Gemeinschaftsaufgaben nach Art. 91 b, Abs: 2, Grundgesetz, „Feststellung der Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungswesens im internationalen Vergleich“, zusammen. In einer „Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring“ hat sich die Kultusministerkonferenz auf maßgebliche Instrumente und Testverfahren verständigt.

Dabei haben Studien eine besondere Bedeutung, die die fachlichen und überfachlichen Kompetenzen in den Fokus stellen und sich mit herausgehobenen aktuellen schulpolitischen Fragestellungen beschäftigen. Bei Bedarf können diese Studien im Hinblick auf ausgewählte Fragestellungen vertieft und durch nationale oder durch spezifisch nordrhein-westfälische Erweiterungen ergänzt werden.
Die Ergebnisse aus nationalen und internationalen Schulleistungsstudien sind zudem ein wichtiger Bestandteil der nationalen Bildungsberichterstattung von Bund und Länder.

Schulleistungsstudien An diesen nationalen und internationalen Vergleichsstudien nimmt NRW teil:

2009 wurde die nationale Ergänzung PISA-E, die einen Vergleich zwischen den Ländern ermöglichte, durch den Ländervergleich bzw. Bildungstrend  des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) abgelöst. Im Auftrag der Kultusministerkonferenz wird der IQB-Bildungstrend vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Petra Stanat durchgeführt. Mit der Organisation und Durchführung der Studie ist die IEA Hamburg (International Association for the Evaluation of Educational Achievement) beauftragt.

Mit dem Bildungstrend wird regelmäßig überprüft, inwieweit die in den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz beschriebenen Kompetenzerwartungen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland erreicht werden.
Der IQB- Bildungstrend richtet sich im Wechsel an die Schulen der Sekundarstufe I und an die Grundschulen.

In den Schulen der Sekundarstufe I werden in der Regel alle drei Jahre die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 aller Schularten alternierend in den Fächergruppen Deutsch, Englisch und Französisch sowie Mathematik, Biologie, Chemie und Physik überprüft. Im Primarbereich wird in der Regel alle fünf Jahre in den Fächern Deutsch und Mathematik getestet.

Sekundarstufe I

Der Bildungstrend wurde 2015 für die Fächer Deutsch, Englisch und Französisch durchgeführt, 2018für die Fächer Mathematik, Biologie, Chemie und Physik
Damit liegen im Längsschnitt Daten darüber vor, auf welchem Niveau in den Ländern die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz im Fach Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie und Physik sowie in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch erreicht werden.

Im Fach Mathematik werden alle allgemeinen und inhaltsbezogenen mathematischen Kompetenzen getestet, mit denen die Bildungsstandards das Spektrum des mathematischen Arbeitens beschreiben.

In den naturwissenschaftlichen Fächern (Biologie, Chemie, Physik) wurden 2018 die Kompetenzbereiche „Fachwissen“ und „Erkenntnisgewinnung“ getestet. Wie bereits im IQB-Ländervergleich 2012, wurden zudem die erreichten Kompetenzen in allen drei Fächern in den Bereichen „Fachwissen“ und „Erkenntnisgewinnung“ erfasst.

In Deutsch wurden 2015 die Teilbereiche „Lesen“, „Zuhören“ und „Orthografie“ getestet.
In den Fächern Englisch und Französisch wurden jeweils Aufgaben zum „Leseverstehen“ und zum „Hörverstehen“ getestet.

Der aktuelle  Durchgang des IQB-Bildungstrend in den Schulen der Sekundarstufe I fand 2022 in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch statt..

Grundschulen

In den Grundschulen wurden Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik zuletzt 2021 getestet. In Deutsch wurden Aufgaben zu den drei in den Bildungsstandards genannten Kompetenzbereichen „Lesen – mit Texten und Medien umgehen“, „Sprechen und Zuhören“ sowie „Schreiben“ eingesetzt. Getestet wurden allerdings nur die Teilbereiche „Lesen“, „Zuhören“ und „Orthografie“.

In Mathematik wurden alle fünf in den Bildungsstandards beschriebenen Kompetenzbereiche untersucht. Diese sind „Zahlen und Operationen“, „Raum und Form“, „Muster und Strukturen“, „Größen und Messen“ sowie „Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“.

Der nächste Durchgang soll im Frühjahr 2024 stattfinden.

IQB-Studien in den Grundschulen:

IQB-Studien in der Sekundarstufe I:

PISA (Programme for International Student Assessment) ist eine internationale Schulleistungsuntersuchung, die von der OECD seit dem Jahr 2000 in dreijährlichem Turnus durchgeführt wird.. An den PISA-Erhebungen nehmen die meisten Mitgliedstaaten der OECD teil. Hinzu kommen eine zunehmend größere Anzahl von Partnerstaaten,.

In der Studie werden die Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in den Kompetenzbereichen Leseverstehen, Mathematik und Naturwissenschaften untersucht. Der Kompetenzbegriff in PISA zielt dabei auf die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler Wissen auf Probleme und Situationen im Alltag anwenden zu können. Dabei wechseln von Durchgang zu Durchgang die jeweiligen Schwerpunktsetzungen zwischen den drei Kompetenzbereichen, so dass alle sechs Jahre einer der drei Kompetenzbereiche Schwerpunktthema ist.

Im Durchgang 2022 wurden die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen und die Lesekompetenz am Computer vertieft untersucht. Seit 2000 wechselten sich die Schwerpunktthemen wie folgt ab:

  • 2000 Leseverstehen
  • 2003 Mathematik
  • 2006 Naturwissenschaften
  • 2009 Leseverstehen
  • 2012 Mathematik
  • 2015 Naturwissenschaften
  • 2018 Leseverstehen

Mit dem Schwerpunkt Leseverstehen 2018 wurde der dritte PISA-Zyklus eröffnet, womit es möglich wird, Entwicklungen in den Schwerpunktthemen über mehrere Messzeitpunkte hinweg zu beschreiben.

Seit PISA 2012 ist für die nationale Durchführung in Deutschland das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) verantwortlich, ein von Bund und Ländern gemeinsam getragener Verbund der Technischen Universität München (TUM), des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel (IPN), . Die wissenschaftliche Projektleitung obliegt Frau Prof. Dr. Doris Lewalter von der Technischen Universität München.

Nach 2013 wurde die internationale Vergleichsstudie International Computer and Information Literacy Study (ICILS) 2018 zum zweiten Mal durchgeführt. Die nächste Durchführung ist für 2023 geplant. Nordrhein-Westfalen hat sich 2018 mit einer eigenen Landesstichprobe an ICILS 2018 beteiligt, somit stehen auf nordrhein-westfälische Schulen bezogene Ergebnisse, die eine nationale und internationale Einordnung zulassen, zur Verfügung. 2023 wird sich Nordrhein-Westfalen erneut mit einer eigenen Landesstichprobe beteiligen.

ICILS ist eine wichtige Studie, die die Strategien der Länder zur Digitalisierung im schulischen Bildungssystem flankiert. Im Fokus der Studie steht die Erfassung von computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der achten Klasse sowie die Frage, welchen Beitrag die Schulsysteme zum Aufbau der computer- und informationsbezogenen Kompetenzen liefert. Außerdem wird erfasst, welche Einstellung die Schülerinnen und Schülern zu Computer- und Informationstechnik haben.

In der Studie liegen die Schwerpunkte, bezogen auf die Erfassung von computer- und informationstechnologische Kompetenzen, in diesen Bereichen:

  • Kompetenzen zur Nutzung von Technologien zur Recherche von Informationen (z.B. im Internet);
  • die Fähigkeit, die gefundenen Informationen im Hinblick auf ihre Qualität/Nützlichkeit zu bewerten;
  • die Kompetenz, durch die Nutzung von Technologien Informationen zu verarbeiten und zu erzeugen;
  • die Kompetenz, neue Technologien zur Kommunikation von Informationen zu nutzen;
  • Kompetenzen für einen verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit ICT.

Zusätzlich werden auch Kompetenzen im Bereich des Computational Thinking getestet, d. h. Fähigkeiten Probleme zu konzeptualisieren und adäquate digitale Lösungen zu operationalisieren.

Verantwortet wird ICILS von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA). Bei der IEA handelt es sich um einen unabhängigen internationalen Verbund wissenschaftlicher Institutionen für Bildungsforschung.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die deutsche Teilnahme an dieser Studie. Frau Professorin Birgit Eickelmann, Universität Paderborn, hat die nationale Koordination der Studie übernommen. Frau PD Dr. Kerstin Drossel leitet die Studie in Nordrhein-Westfalen.

 

 

Deutschland nimmt seit 2001 an der internationalen Vergleichsstudie PIRLS/IGLU (Progress in International Reading Literacy Study oder in der deutschen Übersetzung „Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung“) teil.

PIRLS/IGLU wird alle fünf Jahre durchgeführt (2001, 2006, 2011, 2016, 2021) und überprüft das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der Grundschulzeit (4. Jahrgangsstufe) unter den Aspekten Verstehensprozess und Leseintention. Zudem werden zentrale Merkmale wie z. B. Lesemotivation, Leseunterrichtsstrategien, Ganz- oder Halbtagsschule oder familiäre vorschulische Leseförderung betrachtet und Zusammenhänge zur Lesekompetenz analysiert.

2001 und 2006 wurde PIRLS/IGLU um eine nationale Untersuchung (IGLU-E) zur Erfassung von mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen sowie der Kompetenzen im Rechtschreiben und Schreiben von Aufsätzen ergänzt. An dieser sogenannten IGLU-E-Studie beteiligten sich 12 Länder. Ab 2009 wurde IGLU-E durch die damaligen Ländervergleiche (heute IQB-Bildungstrends) auf der Grundlage der entwickelten Bildungsstandards abgelöst.

Die IGLU-Studie wird in Deutschland vom Institut für Schulentwicklung (IfS) in Dortmund koordiniert und durchgeführt. Die nationale wissenschaftliche Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Nele McElvany. Auf internationaler Ebene ist die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) Initiator und unter Leitung des International Study Center verantwortlich für die Organisation.

 

TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study) erfasst das mathematische und naturwissenschaftliche Grundverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der 4. Jahrgangsstufe. Die Studie findet im Vierjahres-Rhythmus statt, um längerfristige Entwicklungen in den beteiligten Ländern zu dokumentieren. Deutschland hat bislang an TIMSS-Grundschule 2007, 2011, 2015 und 2019 teilgenommen und wird an TIMSS 2023 teilnehmen.

Grundlage für die Teilnahme Deutschlands an TIMSS, ist wie bei PISA und IGLU, ein Beschluss der Ständigen Konferenz der Kultusminister (KMK) in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Dabei ist die Feststellung der mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schüler im Rahmen von TIMSS ein Teil der Gesamtstrategie der KMK zum Bildungmonitoring (KMK 2015).

Zuständig für die internationale Koordination und Durchführung ist die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) in Kooperation mit der Boston College, Lynch School of Education.

Für die Durchführung der Studie und die Berichterstattung in Deutschland ist ein wissenschaftliches Konsortium- unter der Leitung von Prof. Dr. Knut Schwippert von der Universität Hamburg verantwortlich.

Die International Civic and Citizenship Education Study (ICCS) untersucht die politischen und zivilgesellschaftlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 Jahren. In ICCS 2016 werden vier Inhaltsbereiche unterschieden: Zivilgesellschaft und Systeme, gesellschaftliche Werte, Partizipation und Identität. Leitend war dabei die Frage, inwieweit Jugendliche in der Schule auf ihre Rolle als Bürgerinnen und Bürger in Demokratien vorbereitet werden.
Nordrhein-Westfalen hat an ICCS 2016 neben 24 weiteren Ländern in Europa, Asien und Lateinamerika teilgenommen. Damit liegen erstmals seit 1999 international vergleichende Erkenntnisse über die Situation der zivilgesellschaftlichen und politischen Bildung für ein deutsches Bundesland vor.

Auch 2022 nimmt Nordrhein-Westfalen wieder an ICCS teil. Die Studie wurde im Frühjahr diesen Jahres durchgeführt. Um die Vergleichbarkeit zwischen den Jahren herzustellen, wird ein großer Teil der Befragungsinstrumente erneut eingesetzt. Im Fokus steht dabei politisches Wissen, Toleranz, institutionelles Vertrauen, nationale und europäische Identität, sowie Partizipationsbereitschaft.

Koordiniert und durchgeführt wird ICCS von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA). Die nationale Studienleitung ist im Arbeitsbereich „Educational Research and Schooling“ der „Universität Duisburg-Essen unter der Leitung von Professor Dr. Hermann Josef Abs angesiedelt.

Ergebnisse ICCS 2016: "Das politische Mindset von 14-Jährigen"